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Introduction to the special issue »Contested urban territories: decolonized perspectives«

Special Issue Geographica Helvetica – 2020

Dieser Artikel ist der Auftakt zum Themenheft »Contested urban territories: decolonized perspectives«. Die Idee zu diesem Heft entstand in Auseinandersetzung mit einer sozioterritorialen Perspektive, welche zeitgenössische lateinamerikanische Analysen aktueller urbaner Kämpfe prägt (Schwarz und Streule, 2016). Mit dem Ziel, diese laufenden Debatten rund um ein spezifisches Verständnis von urbanen Territorien aus einer post- bzw. dekolonialen Perspektive weiterzuführen, versammeln wir im Themenheft Beiträge aus zwei Veranstaltungen auf der Jahrestagung der American Association of Geographers 2017 in Boston, und ergänzen diese mit weiteren Artikeln von Autorinnen und Autoren, die nicht an dieser Konferenz teilnehmen konnten.

Die sieben Beiträge befassen sich mit der Frage, was eine relationale und dynamische Konzeptualisierung von Territorium zu aktuellen Debatten in der Stadtforschung beitragen kann. Genauer: Inwieweit sind sozioterritoriale Ansätze für die Dezentrierung und Pluralisierung von Stadttheorie von Nutzen? Welche Relevanz haben sie für eine Analyse städtischer sozialer Bewegungen? Wie nährt und ergänzt eine sozioterritoriale Perspektive nicht zuletzt eine Analyse der sozialen Produktion von Raum? Das Heft lädt somit ein, neue Begrifflichkeiten kennenzulernen und kritisch über Wissensproduktion nachzudenken – für die Stadtgeographie und darüber hinaus.

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Zum Themenheft (alle Beiträge)

Schwarz, Anke and Monika Streule (2020) Introduction to the special issue »Contested urban territories: decolonized perspectives«. Geographica Helvetica, 75, 11–18. https://doi.org/10.5194/gh-75-11-2020

Methoden der Stadtforschung dekolonialisieren: Innovative Komparatistik, mobile Ethnografie, kritisches Kartieren

Seminar im Rahmen der Paul-Lazarsfeld-Gastprofessur, Universität Wien – 2020

Im Kontext einer globalisierten Welt sind gesellschaftliche Fragen zunehmend komplex. Die Stadtforschung mit ihrem Ziel Urbanisierung weltweit zu analysieren steht beispielhaft für die großen Herausforderungen, mit denen Sozialwissenschafter*innen heute konfrontiert sind. Denn, die Stadt des 21. Jahrhundert gibt es nicht. Urbane Phänomene aber bestimmen den Alltag der Menschen und die Umwelt weltweit. Weiter gilt es, globale Ungleichverhältnisse kritisch zu reflektieren. Obwohl jedoch die Erforschung von Megastädten im Globalen Süden fest zur empirischen Forschungspraxis gehört, sind die dort vorhandenen Wissensbestände und Erfahrungen bislang kaum für die Theorieproduktion der Stadtforschung berücksichtig worden. Genau hier setzt die post- und dekoloniale Kritik ein und zeigt, dass nicht nur neue Theorien für eine zeitgenössische Analyse gefragt sind, sondern gerade auch die Weiterentwicklung methodischer Ansätze entscheidend ist um Stadt im Globalen Süden wie auch im Globalen Norden besser zu verstehen.

Die Vielfalt der Methoden ist breit im interdisziplinären Feld der Stadtforschung und umfasst quantitative, qualitative sowie mixed-methods Zugänge. Wie können solche hergebrachten Methoden im Zuge der erwähnten dekolonialen Kritik weiterentwickelt werden? Diese übergeordnete Frage leitet die vorgeschlagene Lehrveranstaltung an. Die Studierenden lernen in diesem Methoden-Seminar zentrale fächerübergreifende Debatten der aktuellen sozialwissenschaftlichen Methodendiskussion am Beispiel der Stadtforschung kennen und einordnen. Besonderen Fokus legt das Seminar auf drei etablierte Zugänge der Stadtforschung, nämlich der Vergleich, die Ethnografie sowie das Kartieren, und liefert Beispiele aus konkreten Forschungsprojekten, wie diese Methoden an aktuelle Forschungsfragen angepasst werden können.

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Stadtforschung dekolonialisieren: Theorie, Pädagogik und Praxis der Stadtforschung überdenken

Vortrag im Rahmen der Paul-Lazarsfeld-Gastprofessur, Universität Wien – 2020

Dekolonialisierung ist nicht als theoretisches Projekt, sondern als eine kritische Praxis zu verstehen. Mit dieser Forderung der bolivianischen Soziologin und Historikerin Silvia Rivera Cusicanqui als Ausgangspunkt befasse ich mich in diesem Vortrag mit dem transformativen Potenzial des dekolonialen Denkens und Handelns um herkömmliche Praktiken im Feld der Stadtforschung zu hinterfragen. Dazu gehören besonders etablierte Forschungsmethoden, aber auch die Art und Weise, wie wir schreiben, lehren, lernen und publizieren. Selbstverständlich gehört hierzu auch eine Reflexion darüber, wie unsere Praxis die Theorieproduktion beeinflusst.

Ein Fokus auf Machtverhältnisse, historische Unterschiede und ungleiche Wissensgeographien zum Thema Stadt stellt herkömmliche Erkenntnisweisen radikal in Frage und drängt auf experimentelle und kollektive Methoden um etablierte räumliche Vorstellungen nicht nur zu dezentrieren, sondern auch zu pluralisieren. Im Zentrum stehen die Fragen: Was sind die methodischen Konsequenzen für die Stadtforschung nach der post- und dekolonialen Kritik? Wie kann eine post- und dekoloniale Stadtforschung in die Praxis umgesetzt werden?

Ohne diese umfassenden Fragen vollständig zu beantworten, möchte ich einen experimentellen, kritischen und selbstreflexiven Einsatz von Methoden diskutieren. Anhand von konkreten Beispielen aus aktuellen Forschungsprojekten werde ich einige experimentelle Methoden der Stadtforschung vorstellen, die ich als besonders geeignet ansehe um kritische Perspektiven zu unterstützen.

Vortrag im im Rahmen der Paul-Lazarsfeld-Gastprofessur

Mittwoch, 22. Januar 2020, 16.15–17.45
Seminarraum IE, Institut für Afrikawissenschaften Spitalgasse 2, Hof 5, 1090 Wien

Moderation: Alexandra Heis (Universität Wien, Institut für Internationale Entwicklung)

Wo beginnt und endet Mexiko-Stadt? Stadtethnologie und metropolitane Urbanisierungsprozesse

SAGW Bulletin – 2019

Was ist Stadt? Was ist das Städtische? Grundlegende Fragen der Stadtforschung sind nach wie vor vielstimmig und werden kontrovers diskutiert. Mit einem Blick auf Urbanisierungsprozesse können sozialräumliche Veränderungen beschrieben werden, die weit über administrative Stadtgrenzen hinausgehen. Aber wie können lokale städtische Alltagserfahrungen mit einer globalen Perspektive auf Verstädterung verbunden werden?

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Streule, Monika (2019) Wo beginnt und endet Mexiko-Stadt? Stadtethnologie und metropolitane Urbanisierungsprozesse. Bulletin der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften 25, Dossier: Raum – Espace: Zugänge, Praktiken, Kulturen. Bern: SAGW, 36–38. DOI: 10.5281/zenodo.3538857