Der Forschungsschwerpunkt Stadt- und Umweltethnologie fördert kritische Stadtforschung aus anthropologischer Perspektive, um gegenwärtige Urbanisierungsprozesse und ihre Verflechtungen mit Umweltfragen in einem Kontext multipler Krisen – geprägt von sozialer Ungleichheit und Klimawandel – zu analysieren. Im Zentrum stehen soziale und ökologische Transformationen in urbanen Räumen, sowohl in zentralen als auch in peripheren Lagen, sowie die Erkundung kollektiver Horizonte sozio-ökologischer Gerechtigkeit. Der Schwerpunkt verbindet Themenfelder, die häufig getrennt behandelt werden, etwa das Verhältnis von Stadt und Umwelt, ländliche und urbane Extraktivismen, Ökologien sowie Kämpfe um die Verteidigung von Territorien in metropolitanen Territorien.
Mein aktuelles Projekt Stadt auf dem Spiel: Gentrifizierung, Extraktivismus und sozio-ökologische Auswirkungen der FIFA-Fussballweltmeisterschaft 2026 integriert diese Dimensionen ausgehend von der Konjunktur eines sportlichen Megaevents. Auf der Grundlage einer ethnografischen Untersuchung der mit der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 verbundenen Megaprojekte analysiert das Projekt die dadurch entstehenden urbanen und ökologischen Konflikte. Im Fokus stehen zudem Auseinandersetzungen um die Verteidigung, Aneignung und Kontrolle von Territorium sowie kollektive Antworten, durch die widerständige Territorialitäten gegenüber urbanem Extraktivismus entstehen.
Die Forschung wird in Zusammenarbeit mit Graduiertenstudierenden durchgeführt und untersucht sozio-territoriale Prozesse in Monterrey, Guadalajara und Mexiko-Stadt, allesamt Austragungsorte der Weltmeisterschaft. Über die Modernisierung von Stadien hinaus fördert der Megaevent den Ausbau von Infrastruktur und exklusive Immobilienprojekte mit tiefgreifenden Folgen: Enteignung und Gentrifizierung, Wasserprivatisierung sowie die Zerstörung von Wäldern und Flüssen.
In Zusammenarbeit mit Roger Magazine wird dieser Ansatz durch eine Analyse der Zugänglichkeit zu WM-Spielen und anschliessend zu den Spielen lokaler Vereine für die lokale Bevölkerung ergänzt. Die Investitionen in Infrastruktur erzeugen nicht nur urbanen, sondern auch sportlichen Extraktivismus, da die steigenden Kosten der Stadien zu dauerhaft höheren Ticketpreisen führen, die Vereine und Fans langfristig tragen müssen.
Über die unmittelbare WM-Konjunktur hinaus entwickelt das Projekt eine umfassende, ethnografische und vergleichende Perspektive, um diese Dynamiken in der Vor-, Begleit- und Nachphase des Grossevents (2026–2028) zu analysieren. Die untersuchten Fälle werden als exemplarische Beispiele urbaner Megaprojekte verstanden, die Räume und sozio-ökologische Beziehungen grundlegend neu konfigurieren.
Gerne können Sie mich für mögliche Kooperationen, Vorträge, Medieninterviews oder weitere Informationen zur Forschung kontaktieren.
Das Projekt wird von der Dirección de Investigación y Posgrado der Universidad Iberoamericana im Rahmen der 20. Ausschreibung für wissenschaftliche, humanistische, technologische sowie Forschungs- und Forschung-Kreationsprojekte gefördert.